Leidenschaft für Herausforderungen: Das Klavierhaus

Schulden, kein Plan und eine fixe Idee

Anfang 2012 war es soweit, dass ich den sanierten Betrieb mit vollen Auftragsbüchern meiner Mitarbeiterin übergeben konnte, die zuvor das Klavierhaus von mir gekauft hat. 

Doch bis es soweit war, hatte ich einige Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden. Als ich den Betrieb 1991 mit mehr als 25 Mitarbeitern übernommen habe, hat niemand daran geglaubt, dass ich länger als 6 Monate überleben werde. Gute Freunde und auch Unternehmensberater haben mir stark davon abgeraten. Im Nachhinein muss ich zugestehen, dass sie eigentlich recht hatten. 

Das Klavierhaus war mit Schulden überladen, schlecht organisiert, die Motivation der Mitarbeiter am Boden, und ich hatte wenig Ahnung vom Klaviergeschäft. Trotzdem investierte ich mein Kapital in dieses Abenteuer, weil mich die Aufgabe reizte. Man muss dazu noch anmerken, dass mich Klaviere schon seit meiner Kindheit begleitet haben. Das Klavierspielen war immer schon meine Leidenschaft. 

Probleme sind ein guter Lehrmeister

Die erste Zeit war wirklich hart. Ich musste alles neu lernen. Angefangen vom Umgang mit Mitarbeitern, drängenden Gläubigern und fällig stellenden Banken. Obwohl ich schon in meiner früheren Berufslaufbahn Firmen beraten habe, Übernahmen geleitet habe und mich mit Finanzen gut ausgekannt habe, war meine Übernahme  alles andere als optimal. 

Die Übernahme eines Betriebes hat große Vorteile, man hat schon eine etablierte Sache, einen Namen und einen Kundenstock. Wenn man so einen Betrieb von ganz vorne beginnen will, ist das ein enormer Aufwand. Rückblickend gesehen war es trotz der Fehler, die ich gemacht habe, die richtige Entscheidung. 

Nirgendwo lernt man intensiver und schneller als in so einer Situation. Ohne diese Herausforderung, hätte ich nichts über Verkauf, Unternehmensführung, Krisenbewältigung, Gläubigermanagement und Mitarbeiterführung gelernt. 

Motivation alleine reicht nicht aus

Würdest Du meinen, dass der Wille und die Liebe zur Sache ausreichen um ein erfolgreiches Geschäft auf die Beine zu stellen. Aber dem ist nicht so. Der Wille und die Liebe zur Sache sind die Grundvoraussetzungen, um überhaupt die Energie aufzubringen etwas zustande zu bringen. Es braucht Fertigkeiten in der Marktanalyse, wie z.B.: Welches Produkt verkauft sich am Markt? Wie verkauft man das Produkt am Markt? Alleine die Gestaltung des Geschäftes spielt eine große Rolle im Verkauf.

Nun kann ich sagen, dass man als Unternehmer auf der Reise ist, herauszufinden wie man ein Produkt entwickelt, produziert, vermarktet, verkauft und expandiert. Grundsätzlich kann man sagen: "Wenn man alles richtig macht, ist es ein riesen Erfolg!" Die Hindernisse die einem im Weg stehen, sind im Wesentlichen die eigene Einstellung genannt "fixe Ideen", die eigene Unfähigkeit zu Beobachten, Wunschvorstellungen, die nicht der Realität entsprechen und die eigene Unwilligkeit zu lernen. 

Ich konnte alle meine Fehlschläge und Versagen auf die oben genannten Punkte zurückführen. Es waren nicht die äußeren Umstände, die mir Schwierigkeiten machten. Wenn man ehrlich ist, kündigen sich "Probleme" schon rechtzeitig an. Nur ignoriert man gerne die Zeichen, und wundert sich im Nachhinein. 

Auf der anderen Seite sind Fehlschläge und Misserfolg eigentlich keine schlechte Sache. Keiner will Fehlschläge einstecken, aber sie zeigen Dir, dass man sich nach vorne bewegt. Natürlich ist es blöd, immer die gleichen Fehler zu machen, und damit die gleichen Fehlschläge einzustecken. Aber das würde auf eine mangelnde Fähigkeit zu beobachten zurückzuführen sein. Einstein soll folgendes behauptet haben: "Dummheit ist die Aktion immer das Gleiche wieder zu machen und ein anderes Ergebnis zu erwarten".

Für mich war es jedenfalls so, dass ich mit dieser Herausforderung meine Fähigkeiten so entwickelt habe, dass ich am Ende in der Lage war "es richtig zu machen, und damit einen riesen Erfolg zu haben".

Kämpfen oder Werben?

Die erste Zeit war ich total im Abwehrkampf. Alle waren Gegner, das Finanzamt, die Krankenkassa, Lieferanten, Mitarbeiter und nicht zuletzt die Kunden. In dieser Situation war mein einziges Ziel: Von einem Monat zum nächsten zu überleben! Es hat fast drei Jahre gedauert, bis ich aus diesem Zustand herausgekommen bin. Erst dann konnte ich einen Ausgleich mit den riesigen Altlasten erreichen. An dieser Stelle einen Rat an Unternehmer: Warten Sie nicht zu lange mit der Entschuldung, solange Sie noch ein gewisses Zeitfenster offen haben.

Aus heutiger Sicht, war es die falsche Aktion, sich so in diesen Abwehrkampf zu verstricken. In so einer Situation, ist das Wichtigste die Werbung. Es ist besser sein letztes Geld in Werbung zu stecken, als drängende Gläubiger zu befriedigen. Warum? Weil das Einzige was einem aus dieser Klemme befreit, der Verkauf sein wird. Viele Unternehmer machen in einer Krisen-Situation den gleichen Fehler. Wenn Sie sich Geld ausleihen, bitte dann nur um intensiv Werbung zu betreiben, aber nicht um den drohenden Exekutor abzuwehren. 

Überleben durch Innovation

Trotz aller dieser Schwierigkeiten, ist es mir doch gelungen, das Geschäft neu am Markt, als Wiener Traditionsbetrieb zu etablieren. Dazu beigetragen, hat das Aufbauen einer professionellen und sauber geführten Werkstatt. Ich hatte das Glück, dass einige Mitarbeiter an mich geglaubt haben, und mich in vielen Schwierigkeiten tüchtig unterstützt haben. Die Werkstatt war die Sache, die uns dann von allen anderen Klavierhändlern unterschieden hat. 

Ich konnte den Bereich so ausbauen, dass das Überleben der Firma, alleine durch Reparaturen auf Monate hinaus gesichert war. Als das erreicht war, habe ich mich mehr auf den Ladenverkauf konzentriert. Erst jetzt bemerkte ich, dass wir eigentlich keine Linie hatten. Der Verkauf war mehr oder weniger davon bestimmt gewesen, welcher Lieferant mir Kredit gewährte. 

Ich entwickelte ein ganz neues Konzept für den Verkauf. Ich dachte, wenn ich schon so gute Erfolge in der Werkstatt habe, dann würde es doch Sinn machen, die guten alten Klaviere perfekt in Stand zu setzen, dass Sie den Vergleich mit modernen Markenklavieren standhalten können, und oft auch übertreffen.

Klavierreparatur in einer großen Werkstatt von Friedrich Howanietz

Dieses Geschäftsmodell ist wirklich aufgegangen

Innerhalb eines Jahres hatte ich die Nische "gebrauchte Klaviere" und "restaurierte alte Klaviere" erobert und dominiert. Natürlich kam die Idee nicht von ungefähr, sondern hatte auch etwas mit meiner Leidenschaft für alte Dinge zu tun. 

Im Gegensatz zu Kollegen, die mit modernen Klavieren handelten, hatte ich eine viel größere Unabhängigkeit, weil ich nicht von einem Lieferanten oder einer Marke abhängig war. Der Nachteil eines Markenproduktes ist, dass man sich sehr stark nach deren Vorgaben richten muss. Auch sind die Gewinn-Spannen nicht so groß. Der Vorteil ist wiederum, dass der Kunde die Marke kennt und leichter abzuschließen ist. 

In weiterer Folge, hatte ich die Werkstatt weiter ausgebaut, und war nun auch in der Lage, Klaviere der absoluten Spitzenmarken so zu restaurieren, sodass sie im Vergleich mit neu hergestellten Instrumenten, oft wesentlich besser bewertet wurden.

Fluegel und Pianos von Friedrich Howaniaetz

Wenn die Leute nicht kommen, musst Du dorthin gehen wo sie sind

Heute weiß das jeder, dass man dorthin gehen muss wo sich seine Zielgruppe aufhält. Damals war das für mich nicht so selbstverständlich.

Wesentlich zum Erfolg des Unternehmens haben die vielen Ausstellungen und Veranstaltungen beigetragen. Ich erinnere mich noch genau an den Sommer 1998. Es war heiß, und seit Wochen hatte ich keine Kunden im Geschäft. Ich war schon verzweifelt, weil sich überhaupt nichts bewegte. Da hatte ich dann eine Idee: "Wenn die Kunden nicht zu mir kommen, dann muss ich dorthin gehen wo die Kunden jetzt sind. Gesagt getan, und schon war ich im größten Einkaufszentrum mit einer Ausstellung angekommen. Das war ein sensationeller Erfolg. Es ist insofern erwähnenswert, als es zeigt, dass es immer etwas gibt was man tun kann. 

Dabei bin ich auf folgendes drauf gekommen: "Wenn man die Idee hat, man kann nichts tun, dann kann man auch nichts tun". Man muss in sich die Vorstellung ausmerzen, dass man an einer Situation nichts machen kann. Die Lösung ist einfach seine Vorstellungskraft zu erweitern, sodass Dinge möglich werden. 

man muss Leute mit den Instrumenten konfrontieren damit sie auf den Geschmack kommen

2.600 Besucher am Seminar

1996 habe ich damit begonnen, Musikseminare zu liefern. Mein guter Freund Duncan Lorien hat in den frühen 90er Jahren eine Methode entwickelt wie man schnell zu musikalischen Erfolgen kommen kann. Er hat daraufhin eine Methode und einen drei Tages-Kurs entwickelt. Er liefert dieses Seminar in der ganzen Welt. Da es dieses Seminar in Europa noch nicht gab, habe ich es übersetzen lassen und im Herbst 1996 wurde es dann in Österreich geliefert. 

Bis 2012 haben um die 2.600 Leute das Seminar im Klavierhaus besucht und es ist bis heute ein sensationeller Erfolg. Von Österreich verbreitete es sich sehr schnell nach Deutschland und weiter bis in das entfernte Moskau. Mein guter Freund Gerd Pölzl hat heute die Organisation des Seminares in Österreich erfolgreich in der Hand. Dieses Video vom Musikseminar habe ich damals in Wien gedreht.

Social Responsibility ist nicht nur ein Marketingtrick

Einer der Gründe warum es sinnvoll ist erfolgreich zu sein ist, dass man dann Dinge unterstützt die wirklich helfen können. Obwohl ich selber nie mit Drogen in Berührung gekommen bin, habe ich in meiner Umgebung das Drogenproblem beobachtet und die schädlichen Auswirkungen auf Leute beobachten können. 2010 habe ich dann die Aufklärungs-Initiative "Musik gegen Drogen" gestartet. Viele meiner Künstlerfreunde waren sofort begeistert. 

Das Konzept war, Konzerte zu veranstalten und dabei Hefte zu verteilen, die wirklich über die Gefahren von Drogen aufklären. Niemand hätte sich den Erfolg dieser Kampagne vorgestellt wie er sich eingestellt hatte. In Summe wurden über 80.000 Aufklärungshefte verteilt und bis heute bekomme ich noch Zuschriften wo sich Leute dafür bedanken, dass ich mit dieser Aktion gestartet habe. 

Friedrich Howanietz startet die Initiative Musik gegen Drogen

Förderung von Talenten

Über all die Jahre war das Klavierhaus auch ein Anlaufpunkt für Künstler. Hier fanden Sie Möglichkeiten für Proben, Konzerte und Veranstaltungen. Viele Talente nutzten diese Chance und haben hier mit Ihrer Karriere gestartet.

das Foerdern junger Kuenstler ist fuer Friedrich Howanietz immer wichtig gewesen

Wenn es Zeit wird weiter zu gehen

Als ich am 29. Februar 2012 meinen Arbeitsplatz im Klavierhaus verlassen habe, war das ein Abschied voller Wehmut und Traurigkeit. Es ging für mich ein großer Lebensabschnitt damit zu Ende. Ich erinnerte mich wie ich das erste mal in das Geschäft kam und heute sollte mein letzter Tag sein. Wiedereinmal haben mir viele Leute von dieser Entscheidung abgeraten. "Man gibt doch nicht sein Lebenswerk auf!" 

Es war ein schwerer Abschied. Man vergisst bei einem solchen Schritt, dass man ja nicht nur die Firma weggibt sondern auch sehr viel von seiner Existenz die an dieses Unternehmen geknüpft ist. 

Der Verkauf der Firma war eine spontane Entscheidung. Es für mich war richtig, weil ich damals alles erreicht habe was ich mir vorgenommen habe. Ich glaube es ist sehr gut, dass man die Sache am besten dann verlässt wenn es am Schönsten ist. Wenn Du alles erreicht hast, solltest Du Dich komplett neuen Herausforderungen stellen und etwas Neues beginnen.

Ich bin heute froh, dass ich es an kompetente Hände übergeben habe die es mit Enthusiasmus und Freude betreiben. Dabei spielt es keine Rolle ob sie es so machen wie ich, oder ihren eigenen Weg finden. 

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