Biografie

Das Glück mit der Ausbildung

1979 war der Start für mich in das Berufsleben. Als 16-jähriger bin ich von zu Hause ausgezogen und habe mich gleich auf die eigenen Beine gestellt. Ich war schon immer der Meinung gewesen, alles besser zu wissen. Diese Einstellung hat Vor- und Nachteile. In der Schule hatte ich nie den Eindruck, dass ich dort etwas lerne was mir nützt, und war generell ein schlechter Schüler. Die Wende meines schulischen Dramas kam, als ich eine spezielle Ausbildung als Datenverarbeitungskaufmann gemacht habe. Hier lernte ich wirklich etwas was mich interessierte, und was ich verwenden konnte. Neben allen meinen Schwierigkeiten die meine Eltern mit mir, und ich mit ihnen hatte, bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass Sie mir diese Ausbildung ermöglicht haben.

Steuerberatung nach der Schule

Die Verwendung von Computern steckte damals noch sehr in den Kinderschuhen. Gleich nach dem Absolvieren der EDV-Schule, die sich auch mit kaufmännischen Dingen befasste, begann meine berufliche Karriere bei der Kanzlei Leonhart in Wien, wo ich die Möglichkeit hatte, den Betrieb von händisch geführten Klienten-Buchhaltung, auf ein EDV-basiertes System umzustellen.

Am Beginn der Computerisierung

Die Speichermedien waren damals noch Kassetten und kurz darauf Floppy-Disk. 1985 habe ich dann den ganzen Betrieb auf MSDOS-basierte PC´s umgestellt. Im selben Jahr bin ich dann in die Selbstständigkeit gewechselt, und habe Steuerberatern geholfen ihre Systeme auf moderne Computersysteme umzustellen. In dieser Zeit habe ich meine Verkaufserfahrung gesammelt, und weiter ausgebaut.

Kunst und Computer - passt das zusammen?

Zur selben Zeit habe ich auch an meiner Verwirklichung als Musiker und Künstler gearbeitet. Die Musik und die darstellende Kunst waren für mich schon als Kind sehr wichtig. Meine ersten musikalischen Gehversuche haben bei den Wiener Sängerknaben begonnen, und haben sich dann in einer semiprofessionellen Pianistentätigkeit fortgesetzt.

Einstieg in die Unterhaltungsindustrie

Anfang 1989 hatte ich genügend Geld zusammengespart, um aus dem Berufsalltag, für ein Jahr, auszusteigen. Mein Ziel war es herauszufinden ob ich als Künstler überleben könnte. Angeregt durch meine Amerikareisen wollte ich in das Ausstellungsgeschäft einsteigen. Ich hatte die Idee einer multimedialen Ausstellung, wie in den USA z.B. Epcot-Center und Universalstudios, hier in Österreich zu verwirklichen.

Multimediale Ausstellungen ein Trend?

Mit dieser Idee im Gepäck kam ich zurück nach Österreich und konnte Partner dafür gewinnen. Als die Ausstellung im April 1990 eröffnet wurde, war das die erste Ausstellung in Europa, in dieser Art. Sie lief zwei Jahre, und hatte insgesamt an die 160.000 Besucher. Leider muss ich aber sagen, dass ich damals einen großen Fehler gemacht habe. Der Fehler war, dass ich einen Standort gewählt habe, der sehr schwer erreichbar gewesen ist. Der Standort war Schwarzenau im Waldviertel. Das ist zwar ein schöner Platz, aber wie gesagt, für einen Ausflug sehr weit weg. Anstatt sich von dem schönen Schloss anziehen zu lassen, hätte ich es besser in einer Halle an der Autobahn verwirklichen sollen. Hinterher ist man immer klüger.

Neue Herausforderungen

Kurz nach Ausstellungseröffnung hatte ich alle meine Rechte und Beteiligungen an dem Projekt verkauft, und mir ein Projekt gekauft, das mich fast ruiniert hätte. Im Juli 1990 kam der damalige Inhaber des Klavierhauses Reisinger zu mir, und fragte mich, ob ich nicht sein Klaviergeschäft übernehmen möchte, weil er bald in Pension gehen möchte, und ich mit meiner Erfahrung in der Steuerberatung,und auch als Klavierspieler, die besten Voraussetzungen dafür hätte.

Die Aufgabe an der ich fast scheiterte

Ich überlegte mir das kurze Zeit und sagte zu. Im März 1991 kam es zum Kauf, und ich fand mich mit meiner Frau, als Inhaber eines bekannten und renommierten Klavierhauses, wieder. Der Laden hatte einen großen Service- und Verkaufsbereich, mit rund 25 Mitarbeitern. Trotz meiner fundierten kaufmännischen Erfahrung, habe ich damals eine Flut von Fehlern gemacht. Erstens habe ich nicht genau geprüft wie die Finanzen wirklich stehen, hatte keine Erfahrung in Mitarbeiterführung, und wusste nicht wie man Klaviere und Klavierreparaturen verkauft. Noch dazu verfolgte ich komplett falsche Wichtigkeiten und eigene fixe Ideen, die für das Geschäft mehr Schaden als Nutzen brachten.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich bis zu diesem Zeitpunkt mehrere Firmenübernahmen erfolgreich abgeschlossen hatte. Bei mir selber aber fast alle wirtschaftliche Umsicht ignoriert hatte.

Mitarbeiterführung lernt man leider nicht in der Schule

Ein wichtiges Gebiet, welches ich total unterschätzt hatte, war der Bereich der Mitarbeiterführung. Wenn man nicht weiß wie man mit Personal richtig umgeht, ist das einer der stärksten Schmerzpunkte im Geschäftsalltag.

Der Verkauf als Schlüssel zum Erfolg

Nach einer gewissen Zeit stand ich mit dem Rücken zur Wand, und hatte nur noch die Möglichkeit es aufzugeben, oder auf ein Wunder zu hoffen.

Wenn man sich in einer ausweglosen Situation befindet hat man zwei Möglichkeiten, entweder man gibt auf und ist ein Opfer, oder man beschließt es zu schaffen. Ich war damals kurz davor aufzugeben und klein beizugeben. Doch dann erinnerte ich mich an einen früheren Kunden von mir der in Schwierigkeiten war, und mir fiel ein was ich ihm damals geraten hatte: „Sie müssen Ihr Einkommen erhöhen, indem Sie Werbung machen und verkaufen!“

Ich fasste allen Mut zusammen, nahm mein letztes Geld, startete eine Werbeaktion, kündigte den mürrischen Verkäufer und übernahm den Verkauf selbst.

Wie immer ich das geschafft habe, es kamen Leute herein, und ich hatte meine ersten Verkaufserfolge. Diese Erfolge gaben mir mein Selbstvertrauen zurück, und ich hatte die Gewissheit, dass ich es schaffen werde.

Der größte Fehler als Unternehmer

Übrigens ist das immer einer der schwersten Fehler, den Unternehmer in einer Krisensituation machen: sie sparen und organisieren, anstatt die Werbung anzukurbeln, und wie verrückt zu verkaufen. Wenn man zuerst organisiert, hat man meistens keine Firma mehr, die man weiterführen kann.

Nachdem ich den Verkauf in der Hand hatte, konnte ich mich um die Sache selbst kümmern. Ich dachte, weil ich Klavier spielen kann, hätte ich Ahnung von Klavieren. Weit gefehlt! Ich hatte keine Ahnung von Klavieren. Ich hatte aber das Glück eine Werkstatt zu haben. Mit viel Beobachtung und Lernen, verstand ich bald was ein Klavier wirklich ist, und worauf es ankommt.

Wenn man wachsen will, muss man das Alte beenden und etwas Neues starten

Das Klavierhaus habe ich 2012 an meine Mitarbeiter verkauft, die es bis heute erfolgreich weiterführen.

Bis heute fragen mich Bekannte, Kunden und Freund, warum ich das Geschäft verkauft habe, wo ich doch so viel Herzblut hineingesteckt habe. Erst vor kurzem hat mich eine Bekannte wieder darauf angesprochen, die ihr Geschäft schon über 40 Jahre betreibt. Die Entscheidung mich von allem zu trennen fand im September 2011 statt. Zu dieser Zeit hatte ich alles erreicht wovon ich geträumt habe. Wir waren aus den Schulden, hatten einen finanziellen Polster, die Ware im Geschäft vollständig bezahlt, die an Kunden vermieten Klaviere brachten eine monatliche Miete von über 8.000 Euro, das Geschäft war komplett saniert.

Genau an diesem Punkt hatte ich mit meiner Werkstattleiterin ein längeres Gespräch. Es ging damals darum, wie es weitergehen soll. Genau an diesem Punkt hatte  ich das Gefühl, dass für mich die „Klavierhaus-Aufgabe“ zu Ende ist. Im gleichen Moment fragte ich Sie: „Gel Du brauchst eine neue Herausforderung! Warum übernimmst Du nicht den ganzen Laden, und bist selbst Dein eigener Chef?“. Sie war ganz erstaunt über das Angebot, konnte sie sich doch überhaupt nicht vorstellen, dass ich mich je davon trennen würde.

Leute wachsen an den Aufgaben, und Chancen die man ihnen gibt

Aber plötzlich sah ich eine Veränderung in Ihr. Ihre Augen fingen zu glänzen an, die ganze Erscheinung und Körpersprache veränderte sich vor meinen Augen. Das war die stärkste und umfassendste Veränderung, die ich je an einer Person, in so kurzer Zeit, beobachten konnte. Leute verändern sich, wenn Sie Ziele und Visionen haben.

Der ganze Verkauf und die Übernahme ging so schnell über die Bühne, dass ich schon Anfang März 2012 „arbeitslos“ war. Nach 22 Jahren war das wirklich wie ein Pensionsschock. Ich hatte keine Pläne für eine neue Tätigkeit und war desorientiert. Ich beschloss daher mich die nächsten zwei Jahre meine persönliche Entwicklung voranzutreiben.

Die Komfortzone verlässt man nur ungern

Im Nachhinein war der Verkauf der Firma eine meiner wichtigsten Entscheidungen. Ich hatte alles erreicht, war in meiner Komfortzone, und kannte alles in- und auswendig. Es gab auch keine große Herausforderung, bzw. hatte ich mir keine besondere Herausforderungen mehr gesucht. Ich glaube, es ist wichtig nach einer gewissen Zeit nach neuen Aufgaben und Herausforderungen zu suchen. Gerade heute, wo sich alles so schnell entwickelt ist es gut sich ein dynamisches Umfeld zu schaffen.

Impulse setzen

Grundsätzlich bin ich immer für Herausforderungen zu haben. Auch als ich das Klavierhaus noch hatte, habe ich mich mit vielen anderen Projekten beschäftigt, die ich erfolgreich abgeschlossen habe. 2004 habe ich eines der ersten computerbasierten und automatisierten Musiksysteme in Österreich auf den Markt gebracht, habe mich als Berater in Ausstellungen betätigt, habe Seminare und Coachings für Verkäufer geleitet, und ich habe 2006 den Grundstein für die „emotionale Musiksuche“ gelegt die heute gang und gäbe ist.

Der heutige Unternehmer ist ein Redakteur seiner Firma

2012 bin ich durch die halbe Welt gereist, und habe mir den Lebensstil und Berufsalltag außerhalb Österreichs angesehen. Ich habe Geschäftsmodelle und Entwicklungen gesehen, die ich bis dahin, nicht im Entferntesten kannte. Obwohl ich mich bezüglich Internet und Computer als recht erfahren bezeichnen kann, musste ich feststellen, dass ich schon vollkommen veraltert war. Obwohl ich 2009 mit meinem Video-Kanal „Klavierhaus-TV“ meiner Zeit voraus war, erkannte ich, wie beschränkt ich das Internet gesehen habe: Facebook – „brauche ich nicht“, automatisierte Prozesse – „kenne ich nicht, daher brauche ich es nicht“.

Ich muss dazu anmerken, dass mich das Internet, als solches, nie sonderlich interessiert hat. Ich fand einen Weg mein Geschäft lokal und „offline“ gut zu expandieren, sodass mir das Internet nicht wichtig war. Ich hatte zwar schon seit 1997 eine „Homepage“ die mehr eine „elektronische Visitenkarte“ war, und für den Besucher, aus heutiger Sicht, keinen Nutzen brachte. Ich nahm das Thema erst 2003 halbherzig auf. Leider habe ich es total versäumt, mich darin wirklich gut auszubilden, und HTML zu lernen. Oft sitzt man in seinem Hamsterrad, und hat keinen Blick nach draußen, und läuft einfach vor sich hin, und übersieht die Entwicklung um einen herum.

Funktioniert die klassische Homepage noch?

Das Internet hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt. Die klassische Homepage ist überholt, und es wird sie in naher Zukunft auch so, bald nicht mehr geben. Leute wollen keine Firmengeschichte oder „unsere Philosophie“ oder nichts sagende Texte als Füllmaterial durchstöbern, um dann zu kaufen.

Die "New Economy" kommt auf jeden Fall

Online-Marketing ist ein ganz spezieller Prozess, der gelernt und richtig angewendet werden will, um ein erfolgreiches Geschäft zu betreiben. Europa hinkt dieser Entwicklung hinterher, aber sie wird nicht vorbei gehen. Die „New Economy“ wird auch hier Einzug halten.

Der Weg vom Offline-Geschäftsführer zum Online-Marketing-Profi ist hart

Mein Weg hat mich von einem der konservativsten Offline-Geschäften, zum kreativen Online-Marketing geführt. Dieser Bereich bietet meiner Kreativität eine Plattform, die ich unendlich erweitern kann. So kann ich Ziele erreichen, die ich davor gar nicht sehen konnte. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten, kann man es viel leichter schaffen, ein bedeutendes Geschäft aufzubauen. Die Zukunftsbereiche sind „augmented reality“, „social media marketing“,  automatisierte Prozesse und videobasierte Ausbildungssysteme.

Wenn Du schon alles weißt, ist die Endstation erreicht

Die einzigen Barrieren sind die eigene Vorstellungskraft, die Unfähigkeit zu Lernen, und die Idee, dass es nicht wichtig ist. Ich bin der Überzeugung, dass der Mensch nur in einer herausfordernden Umgebung glücklich ist. Wenn man der größte und wichtigste Fisch im Teich ist, wird es Zeit ins Meer zu gehen.

Friedrich Howanietz online marketing datenschutz grundverordnung